Woran denkst du, wenn es um das Lernen geht? An deine eigene Schulzeit? Oder an unangenehme Prüfungssituationen?

Erfahre in diesem Blogbeitrag mehr darüber was Lernen ist und warum es hilfreich ist, das Blickfeld zu erweitern, wenn wir mit Jugendlichen über das Thema Lernen sprechen.  

Hierzu findest du im Text fünf Impulsfragen.

Was heißt „Lernen“?

Es gibt unzählige Definitionen für „Lernen“ und wir können uns dem Begriff aus unterschiedlichen Fachrichtungen annähern. Da ich keine theoretische Abhandlung über den Begriff des Lernens schreiben möchte, verzichte ich darauf, verschiedene Definitionen aufzuzählen. Ich möchte vielmehr den Begriff des Lernens im Zusammenhang mit unserem Alltag betrachten.

Aus der lernpsychologischen Richtung beschreiben Zimbardo & Gerrig Lernen als „einen Prozess, der zu einer stabilen Veränderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen führt: er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner Sinnesorgane“ (vgl. ebd. S.229).

In einfacheren Worten gesagt: Wenn wir lernen, verändern sich unser Verhalten und unsere Reaktionen.

Wir lernen durch Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen oder aus Erfahrungen, die wir anhand all unserer Sinne machen.

Lernen ist somit ganzheitlich, situationsabhängig, kontextabhängig und vor allem individuell.

Eine einmalige Erfahrung ist noch kein Lernen, aber wir können aufgrund von Erfahrungen unser Verhalten oder Reaktionen verändern und uns in einen Lernprozess begeben.

Wir lernen, weil wir ein Ziel vor Augen haben oder uns verändern und weiterentwickeln möchten, kurz gesagt: „Wer lernt, der wächst“ (vgl. Böss-Ostendorf/Senft).

Lernen bedeutet Wachstum und Entwicklung unserer persönlichen Fertigkeiten, Kompetenzen und Fähigkeiten.

Das hinterlässt Spuren im Gehirn:

Veränderungen aufgrund von Lernprozessen zeigen sich im Gehirn, jede Erfahrung und vor allem, wenn diese mehrmals gemacht wurde hinterlässt Spuren – sowohl Positive als auch Negative. Dies wirkt sich auch immer auf uns als Person aus. Somit kann persönliche Entwicklung gar nicht ohne Lernen geschehen.

Wir nehmen also Informationen auf, verarbeiten diese und speichern sie gegebenenfalls ab und verändern uns bzw. unser Verhalten und unsere Reaktionen.

Wie lernen wir?

Intrinsische und extrinsische Motivation

Wir lernen bewusst, wenn wir uns dazu entscheiden, beispielsweise ein neues Instrument zu lernen, eine Sportart auszuüben, eine Sprache zu beherrschen oder wenn eine konkrete Prüfung ansteht in Schule, Ausbildung, Studium oder Weiterbildung.

Dies können wir nun aus eigenem Antrieb heraus machen, dann sprechen wir von der intrinsischen Motivation.

Oder aber, wie oft in der Schule und in Prüfungssituationen, müssen wir uns etwas aneignen, weil es von uns erwartet wird, Teil einer Prüfung ist und uns an ein Ziel heranführt. Diese Abhängigkeit von außen, man spricht hier von der extrinsischen Motivation, hat leider häufig Auswirkungen auf unser Lernverhalten und das für Eltern oft leidige Thema der Motivation… Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Aber die gute Nachricht: Im Alltag gibt es zahlreiche Situationen, in welchen wir aus eigenem Antrieb heraus handeln. Das fällt uns nur manchmal im Trubel und Alltagsstress nicht so sehr auf und ist uns nicht immer bewusst.

Impuls 1: Achte im Alltag bewusst darauf, wo du selbst etwas Neues gelernt hast.

Impuls 2: Beobachte dein Kind, welche Dinge im Alltag einen äußeren Anstoß brauchen und welche es aus eigener Motivation heraus macht – achte dabei auch auf kleine alltägliche Dinge außerhalb des schulischen Lernens.

Selbstregulation und Eigenverantwortung

Man kann Lernen noch anders betrachten:

Wenn wir ein neues Hobby lernen möchten oder ein Thema uns sehr interessiert, dann fällt es uns ebenfalls viel leichter Neues aufzunehmen, im Gedächtnis abzuspeichern und uns eigenständig bzw. eigenverantwortlich damit zu beschäftigen.

In diesem Zusammenhang wird gerne von „selbstregulierenden Lernen“ gesprochen, dass die Fähigkeit voraussetzt, sich Wissen und Informationen selbstständig auszuwählen und anzueignen.

Im Zusammenhang mit Schule, Ausbildung, Weiterbildung spricht man von formalen Lernsituationen. Und genau an dieser Stelle entsteht häufig das Dilemma, das wir aus unserer eigenen Schulzeit kennen oder mit den Kindern: Wir müssen etwas lernen, das wir gar nicht interessant finden.

An dieser Stelle eignet sich der Einsatz von Lernmethoden und Lernstrategien, um uns das formale Lernen zu erleichtern.

Um aber passende Lernmethoden/ Lernstrategien auszuwählen hilft es, wenn wir mehr über unser individuelles Lernen wissen. Damit meine ich aber nicht die Suche nach dem „Lerntyp“, sondern mehr die ganzheitliche Betrachtung des Lernens. Zum Thema Lerntypen erzähle ich dir an anderer Stelle mehr.  

In formalen Lernprozessen ist das selbstregulierende Lernen oder auch eigenverantwortliche Lernen um einiges schwieriger und benötigt ein hohes Maß an Eigenmotivation sowie eine gute Lernbegleitung, die den Lernprozess unterstützt.

Impuls 3: Bei welchen Themen gelingt es deinem Kind, sich Wissen und Informationen selbstständig auszuwählen und anzueignen?

Formales und informelles Lernen

Des Weiteren lohnt es sich im Alltag auf das sogenannte informelle Lernen einen Blick zu haben.

Wir lernen zum Beispiel etwas informell, weil wir in eine neue Situation hineingeraten, die wir nicht einschätzen können, die war anders erwartet hätten oder weil wir einen Fehler gemacht haben. Welche Lerneffekte im „Fehler machen“ stecken, darauf werde ich ebenfalls an anderer Stelle eingehen.

Von informellem Lernen sprechen wir also, wenn wir Lernerfahrungen im Alltag, in der Familie, im Beruf, in Situationen mit Freunden oder auch in der Freizeit meinen. Diese können absichtsvoll oder auch unbeabsichtigt erfolgen.

Gerade diese informellen Lernprozesse sind spannend zu betrachten, denn hier erfahren wir oft sehr viel über unsere Verhaltensweisen, unsere Ressourcen, Stärken und auch Vorlieben oder persönlichen Herausforderungen.

Wir sind also ständig in einem Lernprozess und manchmal ist es hilfreich innezuhalten und das eigene Lernen zu betrachten und zu reflektieren. 

Das Betrachten unserer formellen und informellen Lernprozesse aus einer Art „Vogelperspektive“ hilft uns dabei, gezielter Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozesse anzugehen.

Impuls 4: Wo konntest du zuletzt in einem Gespräch oder im Beruf etwas Neues für dich lernen?

Impuls 5: Hat dein Kind ein Hobby? Was lernt es dort aus deiner Sicht auf informellen Weg?

Kurz zusammengefasst

Lernen ist also vielmehr ein ganzheitlicher Prozess als eine einmalige Tätigkeit.

Im hektischen Alltag geht das gerne unter.

Und manchmal braucht es gar keine neuen Lernmethoden oder Lernstrategien, sondern es reicht, wenn wir innehalten und genauer anschauen, was wir bereits können und was in uns steckt.

Wenn wir Lernen als stetigen Prozess betrachten, mit Höhen und Tiefen, mit Rückschlägen und Erfolgen, mit Unsicherheiten und Entdeckerfreude, dann fällt es uns leichter, zukünftige Lernprozesse zu gestalten, anzupassen und zu verändern. Unsere Lernwege sind so individuell wie jeder Einzelne.

Wie das gelingt, wie du dein Kind dabei unterstützen kannst und für dich selbst auch einiges mitnehmen kannst – das erfährst du hier auf meinem Blog.

Was dich hier im Blog erwartet

In regelmäßigen Abständen erscheinen Beiträge in den unten genannten Kategorien.

Lern- und Entwicklungsprozesse zu begleiten ist seit vielen Jahren mein Herzensthema mit Achtsamkeit, Geduld und Empathie. Mein Hintergrundwissen sowie Übungen, Strategien und Methoden, die ich selbst für wertvoll halte und als positiv erlebt habe, möchte ich hier gerne teilen.

Dabei fließt meine Erfahrung aus meinem Pädagogik-Studium ein, meine praktische Erfahrung aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Weiterbildung eines Unternehmens, meine Tätigkeiten als Lerncoach, Achtsamkeitstrainerin und letztendlich vor allem auch als Mutter von Zwillingen zwischen Familie, Beruf und Alltag.

Das sind die Kategorien

1.Rolle der Eltern  
Von Anfang nehmen Eltern im Leben der Kinder die bedeutendste Rolle ein. Im Lauf der Entwicklung der Kinder verändert sich diese und nimmt andere Schwerpunkte ein. Unsere Werte, Einstellungen und Haltungen geben wir aber immer weiter, gerade wenn die Kinder schon größer geworden sind bzw. gerade dann, wenn es zu Spannungen, Konflikten und Diskussionen kommt.  

In dieser Kategorie geht es um die Rolle, die Eltern in Lern- und Entwicklungsprozessen einnehmen mit vielen Anregungen zur Selbstreflexion, aber auch Beispielen aus meiner Arbeit mit Eltern im Lerncoaching. 

2. Lebenslanges Lernen  
Welche Herausforderungen stellt die heutige Gesellschaft an jeden Einzelnen? Welche Anforderungen hat die Arbeitswelt an junge Menschen? Und wie können wir bei all diesen Themen unsere Kinder stärken und unterstützen?  

In dieser Kategorie geht es insbesondere darum, wie das selbst gesteuerte und eigenständige Lernen von Jugendlichen gestärkt werden kann, um nachhaltige und zukunftsorientierte Lernkompetenzen zu entwickeln und zu stärken.

3. Lern- und Entwicklungspsychologie   
Keine Sorge, in dieser Kategorie geht es nicht darum, den vollen Durchblick in Lern- und Entwicklungspsychologie zu bekommen, aber Hintergrundwissen hilft dabei zu verstehen, wie Themen zusammenhängen, um Verständnis für neue Ansätze oder Vorgehensweisen im Alltag zu schaffen.  

In dieser Kategorie wird es etwas theoretischer, wenn es um die Hintergründe aus Lern- und Entwicklungspsychologischer Sicht geht.  

4. Umgang mit Stress und Emotionen  
Wie oft fühlen wir uns im Alltag als Erwachsene von Situationen und Aufgaben gestresst. Stress ist, genau wie alle Emotionen auch, ein wichtiger Teil in unserem Leben. Nur gelingt es uns nicht immer gesund mit Stress umzugehen. So wie uns als Erwachsene geht es auch den Kindern und Jugendlichen.  

Um den gesunden Umgang mit Stress auf beiden Seiten – Eltern und Kinder, geht es in dieser Kategorie.    

5. Kommunikation und Dialog  
Wir kommunizieren in jedem Moment. Manchmal wortstark, manchmal lautlos. Ein Leben ohne Kommunikation würde nicht funktionieren. Das erleben und erfahren wir täglich in den unterschiedlichsten Situationen – manchmal mehr, manchmal weniger angenehm. Wir können lernen Kommunikationsmuster im Gespräch mit Kindern, aber auch Freunden, Kollegen und dem Partner zu betrachten, wahrzunehmen und zu verändern und uns auf Augenhöhe mit den Jugendlichen begeben und in den Dialog treten.

In dieser Kategorie gibt es Impulse wie Kommunikation mit Jugendlichen, achtsam und auf Augenhöhe gelingen kann.   

6. Methodenkoffer  
Ja manchmal braucht es nur eine kleine Methode oder neue Strategie und es wird wieder einfacher mit der Motivation – insbesondere für Situationen des formalen/schulischen Lernens. Hierfür gibt es den Methodenkoffer.  

In dieser Kategorie gibt es praxisnahe Tipps und Tricks wie Lernen leichter gelingen kann mit Methoden und Strategien.  

Welche Themen beschäftigen dich am meisten im Familienalltag mit Jugendlichen? Schreib mir gerne.

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