Schritt für Schritt selbstständiger und eigenverantwortlich Lernen – Wie Eltern unterstützen können

Schritt für Schritt selbstständiger und eigenverantwortlich Lernen – Wie Eltern unterstützen können

Eines der häufigsten Anliegen und Ziele, die ich im Lerncoaching von Eltern höre, ist folgendes:

„Ich wünsche mir, dass mein Sohn/ meine Tochter selbstständiger beginnt zu lernen und nicht ständig meine Unterstützung braucht oder daran erinnert werden muss“.

Kennst du das?

Wie du dein Kind hierbei Schritt für Schritt unterstützen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Ich werde hier den Begriff des eigenverantwortlichen Lernens nutzen. In der Literatur finden sich weitere Lernformen wie selbstorganisiertes Lernen, selbstbestimmtes Lernen oder auch selbstgesteuertes Lernen. All diese Lernformen setzen am Individuum an und erwarten, dass der Lernende selbst aktiv wird und ins Tun kommt.

Eigenverantwortliches Lernen umfasst für mich Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstorganisation, aber vor allem auch die Selbstwirksamkeit- und Tätigkeit.

1            Was versteht man unter eigenverantwortlichem Lernen?

Unter eigenverantwortlichem Lernen versteht man, die Lernprozesse in die Hand zu nehmen und vor allem zu erleben, dass die eigenen Bemühungen eine Veränderung bewirken können.

Eigenverantwortlich lernen heißt aber auch, dass ich in der Lage bin, Lerninhalte den Anforderungen entsprecht auszuwählen und in Bezug auf schulisches Lernen bereit bin, mich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Gerade im Zusammenhang mit Schule ist an dieser Stelle schon die erste Herausforderung, denn wir alle kennen es, dass wir uns Inhalte merken sollen, die in einer Klausur oder im Unterricht abgerufen werden sollen, obwohl wir für uns persönlich keinen Nutzen oder Sinn in dem Gelernten sehen. Hier braucht der Wille dennoch in die Eigenverantwortung zu gehen und die äußeren Umstände anzunehmen und sich in Erinnerung zu rufen, welche langfristigen Ziele man mit der schulischen Ausbildung eigentlich verfolgen möchte. Darauf gehe ich an anderer Stelle noch einmal genauer ein.

Eigenverantwortung heißt also, ich bin in der Lage, mich mit meinem Lernen auseinanderzusetzen, ich bringe die Bereitschaft und Überzeugung mit, mich mit einem Lerninhalt auseinanderzusetzen und ich schaffe mir Voraussetzungen, beispielsweise durch geeignete Methoden oder Strategien und eine Lernumgebung, in der ich gut lernen kann.

Über die Schule hinaus geht Eigenverantwortung noch weiter: Ich kenne meine Lücken, ich habe einen konkreten Lernbedarf und weiß, wie ich mir hierbei fundiertes Wissen aneignen kann. Ich kenne effektive Methoden und Strategien und bringe das Interesse mit, die Inhalte zu verstehen und anzuwenden. Dies sind wesentliche Bedingungen, wenn es um lebenslanges Lernen geht.

2            Voraussetzungen für eigenverantwortliches Lernen

Wenn wir kleine Kinder beobachten, erleben wir, wie lernen ganz natürlich stattfindet. Dabei erleben wir aber auch, dass die einen Kinder ein bisschen eher beginnen zu laufen, andere etwas später. Kleinkinder haben ein enorm hohes Bestreben, Dinge selbstständig auszuprobieren und erleben durch kleine Erfolge ihre Selbstwirksamkeit, aber auch Frustration, wenn etwas noch nicht so funktioniert, wie es sollte.

Im schulischen Lernalltag gibt es häufig wenig Gelegenheiten, das natürliche Zusammenspiel zwischen Gelingen – Misslingen zu erleben, Dinge nach dem individuellen Tempo ausprobieren zu können, Fehler machen zu können ohne Konsequenzen. Wir kennen es selbst: Das wirkt sich auf Motivation, Interesse und Bereitschaft, sich mit etwas intensiv zu beschäftigen, aus.

Insbesondere das Gefühl der Selbstwirksamkeit – ich kann etwas durch mein eigenes Handeln bewirken und verändern– ist im Zusammenhang mit Eigenverantwortung von zentraler Bedeutung.

3            Warum ist eigenverantwortliches Lernen heute so wichtig?

Eigenverantwortliches Lernen stellt die Bedürfnisse nach Autonomie, Selbstbestimmung, das Erleben eigener Kompetenz und Selbstwirksamkeit sowie die Erfahrung sozialer Eingebundenheit und Zugehörigkeit in den Mittelpunkt.

Dies zu erfahren und dabei positive wie auch unangenehme Erfahrungen zu machen, stärkt unser Bewusstsein über uns selbst, über unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten und bildet eine Grundlage für lebenslanges Lernen: Selbstständig zu erkennen, worin liegen meine Herausforderungen, was ist mein Lernbedarf und wie kann mir neues Wissen in einem Thema aneignen.

Wenn man sich heute die Stellenanzeigen von großen und kleinen Unternehmen anschaut, liest man fast immer: „Wir erwarten ein hohes Maß an eigenverantwortlichem und selbstständigem Arbeiten“.

Die Schule kann hierfür ein wunderbares Übungsfeld sein, in dem wir auch Rückschläge erleben dürfen, dabei aber gleichzeitig lernen sollten, wie wir mit negativen Erfahrungen umgehen können, um handlungsfähig zu bleiben.

Eigenverantwortliches Lernen trainiert unter anderem die Organisationsfähigkeit, Priorisierungsfähigkeit, Umgang mit Zeit, Auswahl von Wissen und Inhalten, Analyse- und Reflexionsfähigkeit. Und stärkt gleichzeitig das Selbstbewusstsein.

Wenn es gelingt, den Erwerb dieser Kompetenzen beim Lernen vor die Note zu stellen und den Lernweg genauer zu betrachten, ist nicht das Ziel: Ich möchte eine gute Note, sondern ich trainiere meine Lernkompetenzen. Eine gute Note ist dann die Folge :-).

4            Wie können Eltern im Lernalltag unterstützen?

4.1         Fragende Zurückhaltung und die Ausgangslage analysieren

Oftmals erlebe ich im Lerncoaching, dass Schülerinnen und Schüler nicht genau wissen, an welcher Stelle sie ansetzen sollen. Das kennen wir von uns selbst auch, wir nehmen uns vor, etwas zu verändern und kommen nicht ins Tun, weil wir gar nicht wissen, was überhaupt der erste Schritt ist.

Wir neigen allerdings dazu unserem Gegenüber direkt Lösungen und Ansätze anzubieten, aber genau das kann eine Abwehrhaltung des anderen auslösen: „Probier doch mal…“, „Also ich würde jetzt…“ Als Mutter oder Vater wäre es an der Stelle hilfreicher sich diese Fragen zu verkneifen. Statt Antworten und eigene Ideen auszusprechen, ist es für den Gesprächspartner hilfreicher, neutrale, bewertungsfreie und offene Fragen zu stellen, um Verständnis und Empathie zu zeigen. Auf diese Weise kannst du dein Kind dabei unterstützen, nach und nach selbst in eine reflexive, betrachtende Haltung zu kommen.

Mögliche offene Fragen wären hier, um zu verstehen was los ist:

–             Wie gehts dir denn, wenn du an die Schule denkst?

–             Welches Fach nervt denn ganz besonders? Was nervt denn daran besonders?

Gleichzeitig haben Eltern auch eine sehr gute Beobachtungsgabe und können aus meiner Erfahrung im Coaching sehr gut die Situation einschätzen.

Versuche dennoch die Situation zunächst einmal möglichst wertfrei anzunehmen und zu betrachten.

Gemeinsam könnt ihr die Lernsituation außerdem genauer unter die Lupe nehmen anhand folgender Fragen:

–             Wo lernst du am liebsten?

–             Was brauchst du denn, um dich gut konzentrieren zu können?

–             Was stört dich denn beim Lernen oder lenkt dich ab?

Und auf das Lernverhalten bezogen:

–             Was machst du denn genau, wenn du dir etwas merken möchtest?

–             Wie gehst du vor?

–             Wie gehst du mit Texten um? Wie beschäftigst du dich mit den Lerninhalten?

–            Was sind die größten Baustellen und Ablenkungen?

Eigentlich einfache Fragen, die aber, wenn wir uns als Eltern dabei mit Tipps und Ratschlägen zurückhalten, sehr viel eigene Ideen und das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken.

Dennoch ist es gerade als Eltern sehr wichtig, hier authentisch zu bleiben und die Fragen so zu formulieren, dass ehrliches Interesse erkennbar ist und es nicht aufgesetzt und auswendig gelernt klingt. Das merkt das Gegenüber sehr schnell.

Viele Eltern machen die Kinder auf die sogenannten Lerntypen aufmerksam, um besser Lernen zu können. Du kannst aber auch mit deinem Kind einen anderen Weg gehen und eher betrachten, welche Lernkanäle noch nicht so häufig genutzt werden. Wie das gelingt habe ich im Artikel „Welcher Lerntyp ist dein Kind – nicht“ beschrieben.

4.2         Positive Erlebnisse sichtbar machen und benennen

Oftmals steht stark im Fokus was in der Schule gerade nicht so gut klappt. Dies kann die kleinen Erfolgserlebnisse schnell überschatten und ein Gefühl von Hilflosigkeit erzeugen.

Gut in Erinnerung bleibt mir die Rückmeldung eines Vaters, der meinte, dass genau der Blick auf die positiven Erlebnisse, die ganze angespannte Lernsituation mit seinem Sohn verändert und einen Stein ins Rollen gebracht hat. Sie haben begonnen am Abend darüber zu sprechen, welche kleinen Erfolgserlebnisse sie am Tag hatten und was gut gelaufen ist. Sein Blick auf seinen Sohn hat sich dadurch verändert und auch ihm selbst hat diese kleine Übung im Alltag sehr gutgetan.

Unterstützende Fragen können hier sein:

–             Worauf freust du dich, wenn du zur Schule kommst?

–             Welches Fach oder welches Thema hat dich im Unterricht besonders begeistert/interessiert? Was hat dich daran genau interessiert? Was ist da anders?

–             Wann war etwas Mal anders – gibt eine Situation, an die du dich gerne erinnerst?

–             Was hat heute gut funktioniert? Was hat dich gefreut? Womit warst du zufrieden?

4.3         Motivation braucht ein Motiv

Im Lerncoaching lege ich mit den Schülern Ziele fest: unmittelbare, kurzfristige und längerfristige Ziele. Der entscheidende Schritt kommt aber im nächsten Schritt: Wir schauen uns an, welche Bedürfnisse und Motive hinter den Zielen liegen und welche Kompetenzen es dazu braucht. Wenn wir das besprochen haben, merke ich oft, wie die Schülerinnen und Schüler auf einmal viel mehr Sinnhaftigkeit und Bedeutung in ihren Zielen erkennen und dadurch motivierter werden, von sich aus Ideen entwickeln, um ins Handeln zu kommen.

In Lern- und Motivationspsychologie geht man heute davon aus, dass intrinsisch motiviertes Handeln auf der Erfüllung dreier menschlicher Grundbedürfnisse beruht:

–             Erfahrung von Autonomie und Selbstbestimmung

–             Erleben eigener Kompetenz und Selbstwirksamkeit

–             Erfahrung sozialer Eingebundenheit und Zugehörigkeit

Den Blick auf diese Grundbedürfnisse zu lenken und als Motiv für Lernen und Handeln zu erkennen und herauszuarbeiten kann ein großer Motivator sein. Als Mutter oder Vater kannst du dich fragen:

–             Wo steht mein Kind in Bezug auf diese Grundbedürfnisse?

–             Wie zeigt sich das auch evtl. in außerschulischen Situationen?

–             In welchen Situationen erlebe ich mein Kind autonom, selbstbestimmt – in welchen Situationen eher weniger?

–             Welchen Bereich der Grundbedürfnisse könnten wir mehr unterstützen und wie?

–             Wo kann ich mehr Freiräume zu lassen und wie mache ich das?

–             Welche Bedingungen erleichtern meinem Kind mehr Selbstständigkeit?

4.4         Priorisieren und Strukturieren

Meist läuft es nicht in allen Fächern schlecht, sondern es gibt Fächer, die ja eigentlich ganz ok sind und im guten Mittelfeld ranken. Und wenn es das Fach Sport ist, zeigt dies vielleicht, dass die Schülerin oder der Schüler während der Lernzeit evtl. etwas mehr Bewegung braucht, um wieder konzentrierter und fokussierter lernen zu können.

Manchmal ist es auch nicht das ganze Fach, sondern nur einzelne Themen, die schwer fallen und keine Freude bereiten. Daher lohnt es sich auch zu schauen und zu entscheiden, worauf wirklich der Fokus gelegt werden muss und welche Fächer auch mit „Es ist ok so“-  worauf müssen wir jetzt den Fokus legen.

Hier lohnt es sich gemeinsam einen Überblick über den Ist-Zustand zu schaffen und für jedes Fach zu entscheiden, worauf der Fokus gelegt werden muss. Ich arbeite hier im Lerncoaching mit einfachen Themensammlungen und lasse die Schülerinnen und Schüler erst einmal alles notieren und anschließend markieren, wo sie selbst den größten Handlungsbedarf sehen.

Dies selbst zu entscheiden und nicht von außen gesagt zu bekommen, ist ein wichtiger Schritt, um selbstständig ins Tun zu kommen.

4.5         Eine angenehme Lernatmosphäre schaffen

Welche Bedingungen benötigst du selbst als Mutter oder Vater um konzentriert und gut arbeiten zu können? Was wünschst du dir von Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeitern?

Schülerinnen und Schülern brauchen ebenfalls eine Atmosphäre der Wertschätzung, Anerkennung ihrer Anstrengung und das Gefühl bei Misserfolgen oder Missgeschicken, diese offen ansprechen zu können.

Viele Schülerinnen und Schüler erzählen mir im Lerncoaching auch, dass sie sich so schlecht konzentrieren können, weil Geschwister ins Zimmer kommen oder zu laut ist.

Hier zählt auch der Umgang mit schlechten Noten zu. Ich selbst habe auch gerne mal schlechte Noten einfach verheimlicht oder nicht alles erzählen wollen was schiefgelaufen ist. Wenn die Schülerin/der Schüler aber zu Hause einen wertschätzenden und konstruktiven Umgang mit Fehlern erleben, anstatt Fragen gestellt zu bekommen, wie: „Woran lag es denn?“/ „Was hatten denn die anderen?“/ „Du hast doch so viel gelernt – warum hat es wieder nicht geklappt?“, dann muss nichts verheimlicht werden und eine genaue Betrachtung der Fehler, kann Hinweise geben, was verändert werden könnte. Wichtig ist aber, dass mit den Fehlern konstruktiv gearbeitet wird.

4.6        Die kleinen Schritte zählen

Wir nehmen uns alle im Alltag viel zu viel vor. Du hast vielleicht selbst schon einmal vorgehabt, beispielsweise mehr Sport zu machen oder dich gesünder zu ernähren. Wir stecken uns große Ziele und wundern uns, dass bald die Motivation abnimmt.

Das passiert uns Eltern und genauso auch den Schülerinnen und Schülern. Oftmals setzen sie sich auch schon, zu weit entfernte Ziel, die aktuell noch nicht greifbar sind und dadurch sinkt schnell die Lernmotivation. Realistisch zu betrachten: Was ist heute das Wichtigste? Was ist der nächste Schritt? Was muss ich heute tun?

Das heißt also: Den Fokus zu setzen und zu priorisieren, sind Kompetenzen, die schon Schüler beim Lernen erwerben und üben sollten, da sie uns ein lebenslang begleiten.

5            Rolle der Eltern

Auch bei Jugendlichen spielt die Rolle der Eltern als Vorbild, aber auch manchmal aus Trotz „So will ich nie werden“ eine enorme wichtige Rolle. Wir geben als Eltern immer, mal bewusst und oft unbewusst Werte, Motive und Erwartungen weiter, die wir selbst von unseren Eltern schon mitbekommen haben oder uns selbst im Leben sehr wichtig sind.

Daher ist die Rolle der Eltern beim Lernen und im Schulalltag wichtig und prägend, ebenso der Umgang mit Misserfolgen und Stress. Dies im Blick zu haben und auch zu hinterfragen, unterstützt auch unsere Kinder in ihren Lernprozessen.

Auch loszulassen von eigenen Vorstellungen und einem gewissen „Beschützer-Instinkt“ kann für Eltern ganz schön herausfordernd sein, aber meist lohnenswert für unsere Kinder.

Nun könnt ihr Euch ein Themenfeld herauspicken und dort mit kleinen Veränderungen gemeinsam beginnen und vor allem ins Gespräch miteinander kommen.

Viel Freude beim Lernen – auch über die Schule hinaus: Denn Lernen ist mehr als Schule!

Lernen ist mehr als Schule

Lernen ist mehr als Schule

Woran denkst du, wenn es um das Lernen geht? An deine eigene Schulzeit? Oder an unangenehme Prüfungssituationen?

Erfahre in diesem Blogbeitrag mehr darüber was Lernen ist und warum es hilfreich ist, das Blickfeld zu erweitern, wenn wir mit Jugendlichen über das Thema Lernen sprechen.  

Hierzu findest du im Text fünf Impulsfragen.

Was heißt „Lernen“?

Es gibt unzählige Definitionen für „Lernen“ und wir können uns dem Begriff aus unterschiedlichen Fachrichtungen annähern. Da ich keine theoretische Abhandlung über den Begriff des Lernens schreiben möchte, verzichte ich darauf, verschiedene Definitionen aufzuzählen. Ich möchte vielmehr den Begriff des Lernens im Zusammenhang mit unserem Alltag betrachten.

Aus der lernpsychologischen Richtung beschreiben Zimbardo & Gerrig Lernen als „einen Prozess, der zu einer stabilen Veränderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen führt: er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner Sinnesorgane“ (vgl. ebd. S.229).

In einfacheren Worten gesagt: Wenn wir lernen, verändern sich unser Verhalten und unsere Reaktionen.

Wir lernen durch Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen oder aus Erfahrungen, die wir anhand all unserer Sinne machen.

Lernen ist somit ganzheitlich, situationsabhängig, kontextabhängig und vor allem individuell.

Eine einmalige Erfahrung ist noch kein Lernen, aber wir können aufgrund von Erfahrungen unser Verhalten oder Reaktionen verändern und uns in einen Lernprozess begeben.

Wir lernen, weil wir ein Ziel vor Augen haben oder uns verändern und weiterentwickeln möchten, kurz gesagt: „Wer lernt, der wächst“ (vgl. Böss-Ostendorf/Senft).

Lernen bedeutet Wachstum und Entwicklung unserer persönlichen Fertigkeiten, Kompetenzen und Fähigkeiten.

Das hinterlässt Spuren im Gehirn:

Veränderungen aufgrund von Lernprozessen zeigen sich im Gehirn, jede Erfahrung und vor allem, wenn diese mehrmals gemacht wurde hinterlässt Spuren – sowohl Positive als auch Negative. Dies wirkt sich auch immer auf uns als Person aus. Somit kann persönliche Entwicklung gar nicht ohne Lernen geschehen.

Wir nehmen also Informationen auf, verarbeiten diese und speichern sie gegebenenfalls ab und verändern uns bzw. unser Verhalten und unsere Reaktionen.

Wie lernen wir?

Intrinsische und extrinsische Motivation

Wir lernen bewusst, wenn wir uns dazu entscheiden, beispielsweise ein neues Instrument zu lernen, eine Sportart auszuüben, eine Sprache zu beherrschen oder wenn eine konkrete Prüfung ansteht in Schule, Ausbildung, Studium oder Weiterbildung.

Dies können wir nun aus eigenem Antrieb heraus machen, dann sprechen wir von der intrinsischen Motivation.

Oder aber, wie oft in der Schule und in Prüfungssituationen, müssen wir uns etwas aneignen, weil es von uns erwartet wird, Teil einer Prüfung ist und uns an ein Ziel heranführt. Diese Abhängigkeit von außen, man spricht hier von der extrinsischen Motivation, hat leider häufig Auswirkungen auf unser Lernverhalten und das für Eltern oft leidige Thema der Motivation… Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Aber die gute Nachricht: Im Alltag gibt es zahlreiche Situationen, in welchen wir aus eigenem Antrieb heraus handeln. Das fällt uns nur manchmal im Trubel und Alltagsstress nicht so sehr auf und ist uns nicht immer bewusst.

Impuls 1: Achte im Alltag bewusst darauf, wo du selbst etwas Neues gelernt hast.

Impuls 2: Beobachte dein Kind, welche Dinge im Alltag einen äußeren Anstoß brauchen und welche es aus eigener Motivation heraus macht – achte dabei auch auf kleine alltägliche Dinge außerhalb des schulischen Lernens.

Selbstregulation und Eigenverantwortung

Man kann Lernen noch anders betrachten:

Wenn wir ein neues Hobby lernen möchten oder ein Thema uns sehr interessiert, dann fällt es uns ebenfalls viel leichter Neues aufzunehmen, im Gedächtnis abzuspeichern und uns eigenständig bzw. eigenverantwortlich damit zu beschäftigen.

In diesem Zusammenhang wird gerne von „selbstregulierenden Lernen“ gesprochen, dass die Fähigkeit voraussetzt, sich Wissen und Informationen selbstständig auszuwählen und anzueignen.

Im Zusammenhang mit Schule, Ausbildung, Weiterbildung spricht man von formalen Lernsituationen. Und genau an dieser Stelle entsteht häufig das Dilemma, das wir aus unserer eigenen Schulzeit kennen oder mit den Kindern: Wir müssen etwas lernen, das wir gar nicht interessant finden.

An dieser Stelle eignet sich der Einsatz von Lernmethoden und Lernstrategien, um uns das formale Lernen zu erleichtern.

Um aber passende Lernmethoden/ Lernstrategien auszuwählen hilft es, wenn wir mehr über unser individuelles Lernen wissen. Damit meine ich aber nicht die Suche nach dem „Lerntyp“, sondern mehr die ganzheitliche Betrachtung des Lernens. Zum Thema Lerntypen erzähle ich dir an anderer Stelle mehr.  

In formalen Lernprozessen ist das selbstregulierende Lernen oder auch eigenverantwortliche Lernen um einiges schwieriger und benötigt ein hohes Maß an Eigenmotivation sowie eine gute Lernbegleitung, die den Lernprozess unterstützt.

Impuls 3: Bei welchen Themen gelingt es deinem Kind, sich Wissen und Informationen selbstständig auszuwählen und anzueignen?

Formales und informelles Lernen

Des Weiteren lohnt es sich im Alltag auf das sogenannte informelle Lernen einen Blick zu haben.

Wir lernen zum Beispiel etwas informell, weil wir in eine neue Situation hineingeraten, die wir nicht einschätzen können, die war anders erwartet hätten oder weil wir einen Fehler gemacht haben. Welche Lerneffekte im „Fehler machen“ stecken, darauf werde ich ebenfalls an anderer Stelle eingehen.

Von informellem Lernen sprechen wir also, wenn wir Lernerfahrungen im Alltag, in der Familie, im Beruf, in Situationen mit Freunden oder auch in der Freizeit meinen. Diese können absichtsvoll oder auch unbeabsichtigt erfolgen.

Gerade diese informellen Lernprozesse sind spannend zu betrachten, denn hier erfahren wir oft sehr viel über unsere Verhaltensweisen, unsere Ressourcen, Stärken und auch Vorlieben oder persönlichen Herausforderungen.

Wir sind also ständig in einem Lernprozess und manchmal ist es hilfreich innezuhalten und das eigene Lernen zu betrachten und zu reflektieren. 

Das Betrachten unserer formellen und informellen Lernprozesse aus einer Art „Vogelperspektive“ hilft uns dabei, gezielter Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozesse anzugehen.

Impuls 4: Wo konntest du zuletzt in einem Gespräch oder im Beruf etwas Neues für dich lernen?

Impuls 5: Hat dein Kind ein Hobby? Was lernt es dort aus deiner Sicht auf informellen Weg?

Kurz zusammengefasst

Lernen ist also vielmehr ein ganzheitlicher Prozess als eine einmalige Tätigkeit.

Im hektischen Alltag geht das gerne unter.

Und manchmal braucht es gar keine neuen Lernmethoden oder Lernstrategien, sondern es reicht, wenn wir innehalten und genauer anschauen, was wir bereits können und was in uns steckt.

Wenn wir Lernen als stetigen Prozess betrachten, mit Höhen und Tiefen, mit Rückschlägen und Erfolgen, mit Unsicherheiten und Entdeckerfreude, dann fällt es uns leichter, zukünftige Lernprozesse zu gestalten, anzupassen und zu verändern. Unsere Lernwege sind so individuell wie jeder Einzelne.

Wie das gelingt, wie du dein Kind dabei unterstützen kannst und für dich selbst auch einiges mitnehmen kannst – das erfährst du hier auf meinem Blog.

Was dich hier im Blog erwartet

In regelmäßigen Abständen erscheinen Beiträge in den unten genannten Kategorien.

Lern- und Entwicklungsprozesse zu begleiten ist seit vielen Jahren mein Herzensthema mit Achtsamkeit, Geduld und Empathie. Mein Hintergrundwissen sowie Übungen, Strategien und Methoden, die ich selbst für wertvoll halte und als positiv erlebt habe, möchte ich hier gerne teilen.

Dabei fließt meine Erfahrung aus meinem Pädagogik-Studium ein, meine praktische Erfahrung aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Weiterbildung eines Unternehmens, meine Tätigkeiten als Lerncoach, Achtsamkeitstrainerin und letztendlich vor allem auch als Mutter von Zwillingen zwischen Familie, Beruf und Alltag.

Das sind die Kategorien

1.Rolle der Eltern  
Von Anfang nehmen Eltern im Leben der Kinder die bedeutendste Rolle ein. Im Lauf der Entwicklung der Kinder verändert sich diese und nimmt andere Schwerpunkte ein. Unsere Werte, Einstellungen und Haltungen geben wir aber immer weiter, gerade wenn die Kinder schon größer geworden sind bzw. gerade dann, wenn es zu Spannungen, Konflikten und Diskussionen kommt.  

In dieser Kategorie geht es um die Rolle, die Eltern in Lern- und Entwicklungsprozessen einnehmen mit vielen Anregungen zur Selbstreflexion, aber auch Beispielen aus meiner Arbeit mit Eltern im Lerncoaching. 

2. Lebenslanges Lernen  
Welche Herausforderungen stellt die heutige Gesellschaft an jeden Einzelnen? Welche Anforderungen hat die Arbeitswelt an junge Menschen? Und wie können wir bei all diesen Themen unsere Kinder stärken und unterstützen?  

In dieser Kategorie geht es insbesondere darum, wie das selbst gesteuerte und eigenständige Lernen von Jugendlichen gestärkt werden kann, um nachhaltige und zukunftsorientierte Lernkompetenzen zu entwickeln und zu stärken.

3. Lern- und Entwicklungspsychologie   
Keine Sorge, in dieser Kategorie geht es nicht darum, den vollen Durchblick in Lern- und Entwicklungspsychologie zu bekommen, aber Hintergrundwissen hilft dabei zu verstehen, wie Themen zusammenhängen, um Verständnis für neue Ansätze oder Vorgehensweisen im Alltag zu schaffen.  

In dieser Kategorie wird es etwas theoretischer, wenn es um die Hintergründe aus Lern- und Entwicklungspsychologischer Sicht geht.  

4. Umgang mit Stress und Emotionen  
Wie oft fühlen wir uns im Alltag als Erwachsene von Situationen und Aufgaben gestresst. Stress ist, genau wie alle Emotionen auch, ein wichtiger Teil in unserem Leben. Nur gelingt es uns nicht immer gesund mit Stress umzugehen. So wie uns als Erwachsene geht es auch den Kindern und Jugendlichen.  

Um den gesunden Umgang mit Stress auf beiden Seiten – Eltern und Kinder, geht es in dieser Kategorie.    

5. Kommunikation und Dialog  
Wir kommunizieren in jedem Moment. Manchmal wortstark, manchmal lautlos. Ein Leben ohne Kommunikation würde nicht funktionieren. Das erleben und erfahren wir täglich in den unterschiedlichsten Situationen – manchmal mehr, manchmal weniger angenehm. Wir können lernen Kommunikationsmuster im Gespräch mit Kindern, aber auch Freunden, Kollegen und dem Partner zu betrachten, wahrzunehmen und zu verändern und uns auf Augenhöhe mit den Jugendlichen begeben und in den Dialog treten.

In dieser Kategorie gibt es Impulse wie Kommunikation mit Jugendlichen, achtsam und auf Augenhöhe gelingen kann.   

6. Methodenkoffer  
Ja manchmal braucht es nur eine kleine Methode oder neue Strategie und es wird wieder einfacher mit der Motivation – insbesondere für Situationen des formalen/schulischen Lernens. Hierfür gibt es den Methodenkoffer.  

In dieser Kategorie gibt es praxisnahe Tipps und Tricks wie Lernen leichter gelingen kann mit Methoden und Strategien.  

Welche Themen beschäftigen dich am meisten im Familienalltag mit Jugendlichen? Schreib mir gerne.

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